Sonntag, 22. August 2010

mexico

last entry to come soon

Montag, 29. März 2010

belize bizarre


belize ist das wahrscheinlich absurdeste land, in dem ich je gewesen bin! es ist etwas, das sich nicht nur durch seine landeslinien, die koloniale vergangenheit oder die englische sprache von seinen zentralamerikanischen nachbarn abgrenzt, sondern viel mehr durch seine menschen und seinen fast unbeschreiblich herausfordernden muessiggang und diese schier grenzenlose lethargie.
je laenger ich mich mit diesem land auseinandersetze, desto klarer wird mir, dass "belize" fuer mich persoenlich nicht primaer fuer begriffe wie "geographie" steht, sondern eher eine beschreibung fuer einen eigenartigen gefuehlszustand sein koennte, den wir in unseren breitengraden nicht wirklich kennen. 


wir taumeln irgendwie noch in unserem tikal-dilirium vor uns hin, als wir vor demselben park in einen bus springen, der in richtung guatemaltekische grenze faehrt. nicht ein mal richtig aus dem bus gestiegen, springen uns auch schon die ersten geldwechsler an und flattern uns mit ihren scheinbuendeln die schwuele luft in die nasen. wir kehren guatemala den ruecken und entern die viel moderneren einreisebueros von belize. eigentlich muesste ich als schweizerin an dieser stelle 50 us- dollar visagebuehr bezahlen- es steht unuebersehbahr in riesigen lettern ueber dem schalter geschrieben- doch die beamte schaut mich einfach nur fluechtig und gleichgueltig an, drueckt mir den stempel in den pass und winkt mich weg. die kohle hat sie vergessen einzukassieren und sollte sie sich je die umstaende machen, und einen gedanken daran verschwenden, wird sie mit einem achselzucken darueber hinweg kommen. solange es nicht ihr eigenes geld ist, pfeifft sie darauf, es einzuziehen. und irgendwie steht dieser empfang in belize sinnbildlich fuer alles, was ich in diesem land noch sehen werde.

bevor wir in den bus nach belize city einsteigen, suchen wir einen "laden" auf. nun, im "supermarket" gibt's irgendwie nichts ausser laermenden ventilatoren auf jeder auf dem boden liegenden kartonschachtel und in jedem regal. das beduerfnis nach abkuehlung ist fuer den verkaeufer eindeutig wichtiger als der bedarf, irgendetwas zu verkaufen.. zu unserer ueberraschung entdecken wir zwischen den leeren gestellen doch noch einen gefrierschrank mit glacé und anderem zeugs drin, aus dem sich wahrscheinlich vor monaten schon die frische herausgepilzt hat. gefrorenes, das schimmelt!? wie soll das gehen?! (ein spezieller, belizianischer agregatzustand?!) doch die einheimischen scheint das nicht zu stoeren, hier konsumiert man frei nach dem motto "was mich nicht umbringt, macht mich nur staerker".  wir verschonen unsere europaeischen maegen mit solchen mutproben und verlassen den laden mit ein paar kaugummis..


ja, klar! es gibt auch piktoreske impressionen aus belize city!














die wunderlichen zustaende von belize wollten nicht abreissen und so hatte ich beim bezahlen meines bustickets das erstaunliche vergnuegen, mein erstes chickenbus- ticket in papierform in den haenden halten zu duerfen! meine chickenbus- erfahrungen beruhten bisher einzig und allein auf "einsteigen- zahlen- sich durch die menge druecken". ein "offizieller" chickenbus- fahrgast war ich in den vergangenen sechs monaten noch nie gewesen, meine tickets bestanden aus- hmm- luft! und nun das hier! was fuer ein einmaliges souvenier! wow, das rahm ich mir gleich ein!

begleitet vom raggea sound aus dem radio rattern wir an belmopan, der hauptstadt des landes, vorbei und erreichen belize city, wo wir zwei stunden und eine taxifahrerauseinandersetzung (hier gibt's keine standordnung- dr schneller (will heissen: dr staerkr) isch dr gschwinder) spaeter unser nigelnagelneues gasthaus beziehen. es ist so pingelig aufgeraeumt und gepflegt, dass man sich die ganze zeit fragen muss, wo hier der haken ist und von welchem der beiden netten hausbesitzer man wohl am ehesten ausgeraubt wird. es ist manchmal schon zum verrueckt werden- man kann sich nicht ein mal ueber gepflegte unterkuenfte freuen, ohne sich paranoisch am gedanken festzuklammern, dass gastfreundschaft in solchen hostels nur schein ist.. gluecklicherweise wurden wir aber mit solchen geschehnissen nicht konfrontiert.


bedarf keines weiteren kommentars..















am naechsten tag geh ich wieder meiner lieblingsbeschaeftigung, dem ziellosen herumschlendern, nach! je weniger ahnung man hat, desto mehr kann man schliesslich entdecken. deshalb habe ich aus meinem reisefuehrer, den ich in panama aufgeschnappt hatte und der mir seither nicht gerade viel zufriedenheit durch ganz zentralamerika bescherte, saemtliche stadtplaene heraus gerissen und den vermeintlich "informativen" teil endlich weggeworfen.
wie soll ich belize city bloss beschreiben?! diese stadt ist kaputt, heruntergekommen, verwahrlost, teilweise mit abfall zugeschuetteten strassenecken und stinkenden, grau- gruenen tuempeln gesaeumt, durch die frueher mal wasser geflossen ist. belize city ist arm, bemitleidenswert, ohne perspektiven, ohne zukunft, das einzige, was davon ablenkt, sind die vielen bunten fassaden seiner haeuser.
in einem (echten) supermarkt fuelle ich meinen einkaufskorb mit ein paar sachen- zweifelnd, dass sich die leute hier je eine packung nescafé oder ein glas oliven werden leisten koennen. das ist alles importierte luxusware- ein bild, das weit entfernt von den obdachlosen ist, die vor den geschaeften und auf den strassenraendern ihre arme nach geld und essen entgegen strecken..

video
belize city's haupt- strassenkreuzung, morgens um zehn.

aber belize city kann auch anders. sie hat eine wundervolle, wundersame, aber nicht minder irritierende kehrseite. es kommt mir vor, als haetten die einheimischen um diese uebel zugerichtete stadt einen luftundurchlaessigen mantel aus gleichgueltigkeit, leichtigkeit, stolz, harmonie, sorglosigkeit und geistiger absenz gelegt. gewoben aus einem einzigen material: dem raggae.
der raggae ist das grosse zauberwort. diese stroemung ist der lebensinhalt, -weg und -weiser dieser menschen, die vertraeumten hauptes und mit kreisenden hueften die strassen hinunterschaukeln, dieser leute, die dich manchmal mit den gluehendsten augen betrachten und deren blicke manchmal so leer, abwesend oder halluzinierend sein koennen, dass es beaengstigend ist (auf diese substanzen muss ich ja nicht weiter eingehen..).
betrachtet man diese menschen, wie sie die radiowellen in sich aufnehmen, wie sich ihr koerper und die lippen automatisch in bewegung setzen, sobald sie diese rhythmen und silben irgendwo wahrnehmen, wie sie dann so selbstzufrieden vor sich hinschwelgen- dann koennte man meinen, nichts wuerde sie je aus der fassung bringen, geschweige denn in rage bringen, sie haetten den frieden fuer die ewigkeit gepachtet. oder so aehnlich.. irgendwie lebt belize city allein von dieser passiven "einstellung" ihrer einwohner. sie ist ironischerweise die einzige lebensader des landes!
und nun waere da eben noch die andere art belizianischen lebens, die ich oben angesprochen habe. ich beobachte von der veranda unseres gasthauses aus einen aelteren herrn und eine dame, die sich jeden tag unter den gleichen baum stellen und ihre tueten mango verkaufen. seelenruhig und ins nichts starrend stehen sie den ganzen tag dort und sobald jemand vorbei kommt, um ihnen eine portion abzukaufen, verfallen sie fuer einige sekunden in puppenartige, mechanische bewegungen oder zuckungen, bis das kleingeld in die kasse reingeworfen wird um den schlussakt einzuklimmpern. dann stehen sie wieder trostlos wie requisiten nebeneinander zwischen diesen bunten puppenhaeusern bis der naechste kunde kommt.
es ist ein sehr beklemmendes gefuehl, diese menschen zu betrachten und zu wissen, dass sie an einem tag fuenf oder zehn dollar einnehmen, womit sie kaum durch kommen. es ist genau deshalb so beklemmend und vor allem irritierend, weil ich nicht vom gefuehl abkomme, dass dieses "nach aussen tragen" der lebensfreude und der gleichgueltigkeit nur eine maske ist.
ueberhaupt sind es fuer mich zwei voellig verschiedene welten, wenn ich zum beispiel an den lebensstandard und die "armut" von peru zurueck denke und sie mit der hier vergleiche. peru ist bei weitem nicht so verwestlicht wie belize, es sind zwei "arten" oder sichtweisen von armut, zwei werte, die nichts gemeinsam haben. suedamerika's kultur kaempft nicht gegen den maechtigen feind namens identitaetsverlust und sie scheint mir persoenlich viel eigenstaendiger und authentischer als diejenige von belize zu sein, die sich resignierend irgendwo zwischen joint und globalisierung klammert. belize wirkt auf mich wie ein land, das niemals verkraften wird, was man daraus gemacht hat oder wozu es geworden ist. die zeit ist hier schon lange stehen geblieben, und doch zwingt sie die belizianer auf eine unsanfte art und weise weiter zu ticken. es ist ein land, das nur dadurch funktioniert, indem es eben nicht funktioniert. die obdachlosen, die wirtschaftsmisere, die verwirrende immunitaet der einheimischen gegen alles negative- wie kann das nur hand in hand mit der ueberspielten froehlichkeit gehen..?! ich find's faszinierend und abschreckend zugleich. es ist so gespenstisch gegensaetzlich. (ich muss aber zugeben, dass mich der gedanke, hier eigentlich in der karibik zu sein, wo das meer tuerkis, die fruechte pink und die leute mit wassermelonen bedruckte kleidchen tragen sollten, der tragische kontrast dieser stadt halt umso mehr niederschmettert..)
anders gesagt. etwas zu sehen gibt es in der groessten stadt des landes nicht, diese atmosphaere ist sowieso viel eindruecklicher als jede sehenswuerdigkeit!


schutt und bretter. hier geht gar nichts- belize city.














nach zwei naechten verlasse ich mein britisches paeaerchen, das mir erst am naechsten tag folgen will. ich fahre nach caye caulker, eine kleine insel vor der kueste und am zweitgroessten korallenriff der welt gelegen.
nach meinem costa rica- strand- schock freue ich mich auf die schoenen, weissen karibikstraende, die ich hier aber vergebens suche, denn das wenige sandland ist fast vollstaendig bis ins wasser hinaus mit hostels und gasthaeusern bebaut.. (vielleicht haette ich nur ein bisschen weiter suchen sollen, was mir aber bei dieser hohen luftfeuchtigkeit irgendwie nicht leicht fiel..)
auf caye caulker leben ungefaehr 1300 menschen (auffaellig viele asiatische auswanderer darunter, die jeden zweiten laden auf der insel betreiben) und ein, zwei hundert backpacker, die es sich nicht leisen koennen auf den viel teureren nachbarinseln mit den gehobenen ressorts zu bleiben.


"schmerz"
"schmerz"
"jeglicher schmerz".














dementsprechend ist caye caulker alles andere als ein schmuckstueck. hier gibt es eigentlich nichts, womit man sich die zeit vertreiben koennte. aber irgendwie findet sich jeder schnell damit ab, doest also tagelang sinnlos vor sich hin- in bester belize manier- schnorchelt und plantscht ein bisschen im wasser und saeuft und droehnt sich am abend die birne zu.. vor mittag kriecht auf dieser insel kaum jemand aus den loechern, weshalb die langeweile noch erdrueckender ist als die 40 grad im schatten.
was mache ich bloss hier?! das einfachste und logischste in diesem moment waere doch meinen rucksack zu packen und ins naechste boot zu steigen. richtung irgendwo. meine lieblingsrichtung! dummerweise bin ich mittlerweile dieser kommunalen larifari selbst derart stark verfallen, dass es mir schwer faellt, an eine weiterreise zu denken.
nach drei tagen wird mir bewusst (ja, auch der einfachste gedanke braucht hier mehr zeit zum reifen als sonstwo..), dass das der vielleicht unpassendste ort meiner bisherigen reise ist. ich bin zwar endlich am meer, aber es hat keine straende, wo ich mein tuch ausbreiten und bequem faulenzen koennte. denn vor schnorcheln, schwimmen und ueberhaupt allem, was mit "im offenen meer sein und wasser ueber kniehoehe haben" zu tun hat, schrecke ich seit jeher zurueck. fische (sofern sie nicht gegrillt und gut gewuerzt auf meinem teller liegen) find ich extrem unangenehm, zu glubschig und glitschig, um nach ihnen schnorcheln zu gehen.
mir bleibt keine wahl. bevor mich die banalitaet meiner verzweiflung klein kriegt, beschliesse ich, mein "schicksal" selbst in die hand zu nehmen und stelle mich der groessten herausforderung meines bisherigen lebens. ich informiere mich ueber einen tauchkurs und unterschreibe- ohne zwei mal zu ueberlegen (haette, erstens,- wie schon oben gesagt- zu lange gedauert und waere, zweitens, zu rational gewesen, was mich definitiv wieder von meinem vorhaben abgebracht haette)- das anmeldeformular.
ich zahle die 350 dollar und kriege dafuer ein dickes, blaues buch. ob ich den neoprenanzug je anziehen werde, weiss ich immer noch nicht.. aber wenn die kohle erst mal weg ist, waechst zum glueck auch der ehrgeiz, doch noch etwas daraus zu machen. kampflos werd ich hoffentlich nicht aufgeben, das geld soll mir ambition genug sein!
haette ich nicht den versuch gestartet meine meerwasser- und fischabneigung zu ueberwinden, haette ich's keine zwei tage laenger auf caye caulker ausgehalten. mir kommt es vor, als haette gott irgendwann mal eine kleine fiese glocke ueber dieses inselchen gestuelpt und seine einwohner dazu verdammt in diesem valium aus ohnmaechtiger lethargie zu leben und sie auf die endlose suche nach dem blossen nichts geschickt. denn caye caulker ist in seinem kern ziemlich schraeg und fragwuerdig- aenlich wie belize city- nur noch konzentrierter in seinem muessiggang. irgendwie ist hier alles noch antriebsloser als drueben auf dem festland. das meistverbreitete hobby der einheimischen maenner ist es zum beispiel unter und neben palmen zu stehen oder zu sitzen und dabei die vorbeigehenden zu kommentieren, sie zu bequatschen, sich freundlich aufzudraengen, ihnen nachzulatschen, etc..
nach ein paar tagen hat man ihr nerviges grinsen und die sprueche satt und versucht sie zu ignorieren, wobei man sich dann wiederum wie der arroganteste depp vorkommt. man kann es in diesem land weder sich selbst noch sonst jemandem recht machen. belize ist in dieser hinsicht auf seine eigene art "anstrengend",  weil man staendig vom gefuehl verfolgt wird, besser gelaunt sein zu muessen, als man es eigentlich ist. belize ist schlicht ein gefuehl, das nicht aufgeht! jedenfalls nicht fuer leute wie mich, die in einer westlichen mentalitaet aufgewachsen sind. aber moeglich, dass ich mich einfach nur zu stark da rein gesteigert habe..

meine angst vor dem ersten sprung ins offene meer liess mich sowieso schnell alles vergessen, was um mich geschah. obwohl ich jedes mal, wenn wir heraus fuhren, wie im fieber da sass, versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen- auch nicht dann, als uns der kapitaen das letzte mal hinaus fuhr und uns mit glasigen augen wie im wahn den "real jack sparrow" zeigen wollte, die wellen dabei auf das zerbrechliche boeoetchen schlugen und er verschmitzt raechend an seiner weinflasche nippte. wir werden nie wissen, ob er ein besserer schauspieler als jonny depp ist, oder ob's wirklich schon seine dritte flasche war..
gibt es denn ein schoeneres belizianisches souvenier, als dort die tauchlizenz zu erwerben?! ich bezweifle es! somit muss ich gestehen, dass mich die provokative passivitaet dieses landes schliesslich zu etwas herausgefordert hat, das ich mir zuvor nie zugetraut haette.

welcome to caye caulker! und zur frage "wozu braucht's noch blumentoepfe"?

bei der letzten uebernachtung auf caye cualker muss ich zusehen, wie mein neuer zimmernachbar beim einchecken eine machete (!!!??) aus seinem rucksack packt und sie wie selbstverstaendlich unter seinem bett verstaut. waere es ein einheimischer tourist, waere das ganze ja irgendwie nicht so aussergewoehnlich- aber was zur hoelle macht ein ami mit einer machete auf einer insel??! dagegen ist der verdammte, besoffene "real jack sparrow" eine witzfigur!
was macht man in solchen situationen? sich in ein anderes zimmer versetzen lassen oder sich unbeeindruckt zeigen? im normalfall wuerde ich nicht nur das zimmer wechseln, sondern das hotel verlassen. aber ich bin in belize- hier gibt's keine norm fuer den normalfall, hier tritt der normalfall in der regel nicht ein, hier entscheidet man nach tagesform. willkuerlich und unbewusst schaltete in diesem moment meine tagesform in den belizianischen modus.

belize, mein absurdistan! you're such a weirdo! du machst mich fertig! und darum verlass ich dich! leichten herzens, yet very pleased to got to know you!

ich bin muede, die ersten heimweh- gedanken haben mich schon aufgesucht. 
als ich im bus nach chetumal das letzte mal eine grenze ueberschreite, wird mir zum ersten mal so richtig bewusst, dass in drei wochen alles schon vorbei sein wird. ich freue mich auf den augenblick, in dem ich auf der anzeigetafel das gate meines fluges nach london ablesen werde, und bin dennoch voller wehmut, wenn ich an die vergangenen sechs monate denke.

Samstag, 10. Oktober 2009

nach der sonne die sintflut

eine etwas unwohle stimmung steigt in mir auf als mich der bus am fruehen nachmittag an der costaricanischen grenze absetzt. ich beobachte die szene, die sich vor dem ausreisebuero abspielt. da lungern frauen und maenner- nicht gerade zierliche und anfreundsame gestalten- herum und kaufen den anreisenden dólares fuer nicaraguanische córdobas ab, obdachlose mit amputierten gliedmassen kriechen am boden, rotzige burschen schleichen wie besessen hinter einem her und die uniformierte miliz haelt mittendrin akzeptierend und ignorierend wache. es geschieht eigentlich nichts aufregendes. trotzdem- diesen leuten bei ihren machenschaften zuzuschauen ist irgendwie schon sehr bizarr, zumal die luft unter diesem blechdach hier fuer mich als aussenstehende doch stark nach kleinkriminalitatet riecht. meine irritation ist eben deshalb so gross, weil zum zeichen der solidaritaet bewaffnete milizposten umherstehen und acht geben, dass sich kein kleinverbrecher zu viel aus seiner rolle heraus nimmt.

ich stehe also vor diesem ausreisebuero, die zweite an der reihe. innert sekunden staut sich hinter mir eine kolonne von 20 metern. waer ich ein paar augenblicke spaeter gekommen, muesste ich jetzt in dieser hitze sicherlich zwei, drei stunden ausharren.
die minuten verstreichen im flug, die schlange hinter mir wird von sekunde zu sekunde laenger und alles macht den anschein als ob sich in den naechsten stunden niemand darum bemuehen wuerde an dieser situation etwas aendern zu wollen. die verdunkelten tueren sind verriegelt, keine menschenseele in den raeumen dahinter sichtbar.
ich fange langsam an mir sorgen zu machen, denn wenn dieses warten hier so hoffnungslos weiter geht, kann ich es vergessen, heute noch in nicaragua anzukommen.
ach ja, wo wollte ich denn ueberhaupt hin, wenn ich endlich einmal die grenze passiert habe? ich habe keine ahnung! nach den letzten aufregungen konnte ich meine gedanken noch nicht zu einem plan buendeln. der einzige plan, den ich in den letzten tagen fassen konnte, war derjenige auf dem schnellsten weg aus costa rica abzuhauen. an etwas anderes zu denken war ich nicht im begriff. komme was wolle, hauptsache nicht auf dem costaricanischen boden!
und ploetzlich, von nirgendwo her angekuendigt oder zu erahnen gewesen, stehen die tueren des bueros offen, ein menschenstrom draengt fluchtartig hinein, als waere dieser moment die einzige und letzte chance in ihrem leben costa rica zu verlassen.
ein emsiges treiben hinter den schalterscheiben, so laermig und effizient vorgefuehrt, dass es mich in verwirrung versetzt. da harrt man einen gefuehlten halben tag vor ihren tueren aus- im wissen, dass es nur die willkuer richten wird, ob die beamten den laden heute ueberhaupt noch aufmachen und lust zum paesse stempfeln haben- und auf ein mal laeuft alles wie am schnuerchen und sie erloesen mich von meinen qualen in weniger als 20 sekunden.
uebergluecklich eile ich zum einreisebuero. ich bin in nicaragua. ich hab's geschafft!

ich stehe vor dem busbahnhof von beña blanca. eine blechlawine aus alten amerikanischen college bussen in einer absurden kulisse aus schlamm, laerm, hitze und dunst vor mir. aber mir gefaellt dieses chaos! ich bin verloren, weiss keinen rat. ich hab meine ganze energie an der ausreise aus costa rica aufgebraucht, wuesste jetzt auch nicht, um welchen rat ich denn fragen wuerde, wenn sich jemand mir hilfsbereit zu seite stellen wuerde.
mir kommen auch schon zwei jungs jener sorte entgegen, die ich vorhin beim warten beobachtet hatte und geben mir vor, dass es hier um diese zeit keine oeffentlichen busse gebe, die ins landesinnere fahren wuerden. sie wollen mich natuerlich irgendwo hin lotsen und als ich ihnen abwinke, versperren sie mir den weg. nichts als gaengige praktiken, die ich schon zu genuege kenne! die probieren's halt so lange bis ein naiver tourist darauf eingeht. das ist ihr geschaeft, das muss man akzeptiern, aber man darf sich niemals drauf einlassen. wie fatal das ausfallen kann, kann ich mir zum glueck nur ausmalen. oft geht es nur darum, dass sie dich in ihren eigenen, das heisst familienbetreibenen bus kriegen wollen, der dich ueber sieben ecken und zu einem unverschaemt hohen preis, vielleicht noch mit aufgeschwaetzter uebernachtung in einem hotel ihrer wahl, zum ziel bringt. in andren faellen kann's weniger glimpflich ausgehen und man wird im passenden augenblick (und von solchen passenden augenblicken gibt's an solchen umschlagplaetzen mehr als genug- vorausgesetzt man ueberlaesst sich voll und ganz seiner naiven vertrauensverblendung) ausgeraubt, bedroht, entfuehrt, etc. das ganze paket eben.
ich sah nicht, dass das kurze ueberredungs- spiel zwischen mir und den beiden typen von einem wachmann beobachtet wurde, der auch prompt zugelaufen kam um die zwei laestigen fliegen mit einer klatsche weg zu scheuchen. diese zischten dann auch wortlos ab. so einfach kann's gehen!

eine knappe stunde spaeter rattert mein bus in richtung managua, der hauptstadt dieses landes, von dem ich mir eigentlich nichts zu erhoffen wage.
ich gebe zu, dass ich mittlerweile jegliche anstrengung auf eine versoehnung mit zentralamerika aufgegeben habe und mich jetzt damit abgefunden habe mit einem sehr nuechternen gemuet meine weiterreise fort zu setzen und zu beenden. es ist nicht so, dass ich keine motivation mehr habe. es ist einfach die tatsache, dass zentralamerika auf ihre eigene art und weise nicht mit der dramatik und schoenheit von suedamerika mithalten kann. bisher zumindest nicht.
ich nutze die fahrt auf der (asphaltierten) schnellstrasse um mich im reisefuehrer ueber nicaragua schlau zu machen und rechne aus, dass es sich zeitlich eigentlich noch gut ausgehen sollte vor einbruch der dunkelheit managua zu erreichen. das land sieht auf meiner karte klein aus, die distanzen dementsprechend kurz. aber der schein truegt. gewaltig! keine halbe stunde spaeter muss ich mir ernsthaft ueberlegen in rivas auszusteigen, denn die sonne begann schon vom horizont zu verschwinden und man sagte mir, dass die der einzige und somit der letzte stopp bis nach managua sein wuerde.
mein dilemma liegt einerseits darin, dass ich inzwischen herausgefunden habe, dass man managua nicht unbedingt als eine sichere stadt bezeichnen wuerde und andererseits darin, dass, wenn ich in rivas aussteigen wuerde, ich so einen tag verlieren wuerde, weil ich dann erst morgen dort waere, wo ich noch nicht ein mal weiss, wo dieses "dort" ueberhaupt sein sollte. jedenfalls soll jenes "dort" nicht das rivas hier sein. ich staeube mich gegen dieses staedtchen, obwohl ich gar keinen grund dazu habe. im gegenteil- es waere ziemlich sinnvoll mir ein hostel hier zu suchen. aber mein instinkt will es anders als die logik es empfiehlt.
eins muss ich aber betonen: ich liebe meinen instinkt! ueber alles! seit wochen lag mir dieser allerliebste freund im koma, ich konnte ihn seit ich suedamerika verlassen hatte nicht mehr abrufen oder ihn auf irgendeine weise ermuntern. vielleicht war es seine rache, als er mir zusah, wie ich ihn vor einem verstaubten buecherregal in panama city gegen einen miesen lonely planet- central america eintauschte. ich weiss, dass ich uns beiden das nie und nimmer haette antun sollen. aber ich war schwach, konnte der gelegenheit ein nachschlagewerk bei sich haben zu koennen ploetzlich nicht widerstehen. das war wohl mein verhaengnis. entweder der instinkt oder das schwarze auf dem weissen. durch panama und costa rica begleitete mich das letztere. man weiss, wie das ausging..
nun verspuehrte ich also seit langem wieder meinen instinkt. sehr gut!
ich erzaehle meiner gespraechsfreudigen sitznachbarin von meiner ratlosigkeit, worauf sie mir ein kleines gebetsbuch in die haende drueckt und mir die wichtigsten morgen- und bettpsalme darin markiert.. was fuer eine eingebung! danke!
dass meine gebete, die sonne nicht so hastig untergehen zu lassen, erhoert wurden, musste ich bezweifeln, denn es wurde rasend schnell dunkel.
im wissen, dass der bus nirgends mehr anhalten wird, hake ich trotzdem nochmals beim buskassierer nach, ob meine situation wirklich so aussichtslos ist, wie sie aussieht. und tatsaechlich, einige augenblicke spaeter sehe ich zu, wie der junge mit einem chauffeur auf der ueberholspur gestikuliert und mich zu sich ruft. darauf ueberholt uns dieser fremde bus und macht in der ferne den anschein auf dem pannenstreifen langsamer zu werden. mitten auf der schnellstrasse verlangsamt auch mein bus, streckt meinen rucksack durch die tuere und laesst mich rollend in den andren hinueber springen. was fuer eine warenuebergabe! was fuer eine wende! so darf nicaragua weitergehen! so muss nicaragua weitergehen!! das ist abenteuer, das ist unsinn, das ist mein instinkt!

wenn man so will, war jener pannenstreifen der schicksalhafte wegweiser zu meinem ersten ziel in diesem mir fremden land.
es ist bereits stockdunkel, als ich in granada ankomme. weil ich mich noch nicht orientieren kann und der busbahnhof etwas ausserhalb des zentrums liegt, faehrt der chauffeur- als ob es das selbstverstaendlichste auf der welt waere- eine extrarunde durch die schmalen gaesschen der altstadt.
ich steige aus. es muss gerade erst geregnet haben, ich rieche die frische und spuere die abkuehlung in der luft. nach ein paar schritten stehe ich vor einem schoen ausgeleuchteten park, der von pferdekutschen und kolonialhaeusern mit verandas umsauemt ist. es ist herrlich, es ist traumhaft! ich kann meine wieder erlangte freude und mein glueck darueber nicht fassen! granada war liebe auf den ersten blick!


malerische stille in und ueber den gassen dieses herrlichen mini- staedchens.













granada ist sehr klein, für seine verhaeltnisse jedoch sehr lebhaft. allem voran ist es aber einfach nur schoen! bezaubernd! es ist sauber und gepflegt, pastellfarben und herausgeputzt, vertraeumt und idyllisch. kurz gesagt: es hat charakter! und darin liegt der grosse unterschied zu allen orten, die ich in panama und costa rica gesehen habe.
obwohl man das kolonialstaedchen in einem halben tag gesehen hat, faellt es mir schwer, mich am fuenften tag nach meiner ankunft von granada zu verabschieden. ich liebe das ziellose herumschweifen auf seinen strassen und geniesse die beschauliche atmosphaere der echos des hufengeklappers.
granada hat die enttaeuscheungen der letzten drei wochen mit einem (augen)schlag vergessen gemacht.
touristen (amerikaner und franzosen groesstenteils) gibt es hier gerade so viele wie es fuer die lebhafte stimmung braucht, aber zum glueck nicht in einem ausmass, das das staedtchen zu ueberrennen oder ueberfuellen bedrohen wuerde.


kolonialvertraeumtheit pur auf granada's strassen.














am dritten tag mache ich mich auf den weg nach masaya, einer ortschaft, die fuer ihre handwerkskunst und den dazugehoerigen markt bekannt ist. der groesste im ganzen land.
auf der karte sind es keine 15 kilometer bis dorthin. eine fadengerade strecke, asphaltiert, ohne huegel oder andere hindernisse. eine anspruchslose joggingstrecke also! mit dem unterschied, dass die hiesigen busse langsamer sind als der gemuetlichste jogger auf der welt: wir brauchten eine gute stunde von a nach b..!
vollgeschwitzt, weil der bus so langsam unterwegs war, dass es nicht ein mal fuer einen durchzug reichte, wate ich mich durch den schlammboden bis zur markthalle vor und decke mich anstatt mit holzschnitzereien mit kultigen nicaragua- t-shirts ein, fuer die ich hier fuenf mal weniger bezahle als in den boutiquen in granada. alles andere ist mehr oder weniger die selbe ware, die ich schon auf den maerkten von panama city und san josé gesehen habe, weil man sie dort von hierher importieren laesst. einerseits weil nicaragua eines der guenstigsten laender zentralamerikas ist, andererseits vermutlich weil panama und costa rica aufgehoert haben solche eigene traditionen weiter zu fuehren ("ausgehoehlte kulturen", wie ich die beiden laender schon geschildert habe).
nebst den vielen holzarbeiten gibt's hier vor allem viele bunte plastikblumen, fettige fleischtheken und mit backwaren und suessigkeiten gefuellte vitrinen. nein, nicht wirklich aufregend, der groesste markt von nicaragua!

frisoer 007. eine lizenz zum haareschneiden braucht hier aber vermutlich keiner.

ich habe unterdessen beschlossen als naechstes auf die im letzten eintrag bereits erwaehnte vulkaninsel mit dem melodischen namen ometepe zu gehen. (von der hauptstadt managua wurde mir mittlerweile oft genug abgeraten, so dass ich es definitiv gestrichen habe). doch bevor es so weit war, erinnere ich mich, dass ich mir den kopf darueber zerbrochen hatte, wohin mich die reise als naechstes fuehren wuerde. denn eigentlich hatte ich lust nach honduras auf die inseln roatán und útila zum schnaeppchenpreis tauchen lernen zu gehen. denn viel anderes soll es in honduras weder zu sehen noch zu erleben geben.
nach vernuenftigem abwiegen kam ich zum schluss, dass die zweitaegige reise (kurze distanzen, langsame busse..) bis zu diesen inseln eventuell der muehe nicht wert waere, zumal mir zu ohren gekommen war, dass es dort nur so von sandlaeusen wimmelt. was soll ich bloss auf einer insel, auf der ich nicht auf den am strand liegen darf?! ausserdem gibt's in honduras eine region, die la mosquita heisst. wenn die schon ganze landesteile nach diesen blutsaugern nennen, wie muss es denn dort erst aussehen?! bei dieser vorstellung erinnere ich mich an die bettlaeuse zurueck, wegen derer ich mir in bolivien den halben koerper aufgekratzt hatte und an die moskitos, die sich mir in panama an die andere haelfte ran gemacht hatten.
honduras? immernoch? auf keinen fall!!
nun. el salvador, oder direkt nach guatemala? was weiss ich ueber el salvador? nichts! bei den anderen laendern, die ich bisher angepeilt hatte, war das ja nicht viel anders, aber ueber el salvador weiss ich absolut rein gar nichts! ich habe in den vergangenen monaten nur drei, vier leute darueber reden gehoert und bin mir erst vor ein paar wochen bewusst geworden, wo dieses land geographisch zu finden ist oder wie seine hauptstadt heisst.
ich male mir seine kueste und einen sandlaeuse- freien strand vor augen, ein paar gelbe und blaue sonnenschirme darin gesetzt und.. .. dann wird mir ploetzlich klar, dass ich am pazifischen ozean bin, wo das wasser kalt und die straende grau sind. und da sehe ich schon die zeitmaschine, die mich nach montezuma zurueckversetzen will. es gibt keinen ort, der mich momentan mehr in rage bringt als dieses elende kaff in costa rica! etwas nochmals erleben, das mich an jenes land erinnert, aus dem ich gefluechtet bin, tue ich mir freiwillig nicht an. darum verschwendete ich von diesem moment an keinen gedanken mehr an el salvador.

es steht fest: jetzt zuerst nach ometepe, danach direkt nach guatemala. nach langem herumirren und suchen nach dem ticketbuero einer bestimmten busgesellschaft, werde ich zu einem privathaus geschickt, wo mich ein paar nette, mit macheten (echten!) ausgestatte jungs am eingang empfangen.
ich goenne mir den backpacker- luxus von einem klimatisierten langstreckenbus, der darueber hinaus den vorteil hat, dass man an den grenzen nicht aussteigen und dann ahnungslos warten muss und sich durch kein getuemmel zu draengen braucht, um schnell wieder in einen andren umzusteigen. ueberdies moechte ich mir nicht ausdenken, wie lange ich mit einem nicaraguanischen college- bus fuer die 700 kilometer bis nach guatemala city brauchen wuerde. zwei wochen? einen monat?
der nachteil solcher internationalen verbindungen ist, dass man oft den sitzplatz im voraus reservieren und bezahlen muss und sich somit von sich selbst abhaengig macht. die spontanitaet und die organisation gehen selten hand in hand. so ist das nun mal.

es vergeht fast wieder ein ganzer tag, bis wir im hostel auf ometepe ankommen.
das massvoll ueberfuellte boot schaukelte sich vom festland auf die insel, wo wir in noch gemaechlicherem tempo fuer eine distanz von fuenf kilometer anderthalb stunden zurueck legten. nicht zu fuss! im bus! wir wurden nicht nur von velofahrern, ich glaube teilweise auch von huehnern ueberholt!

wenn der prophet nicht zum berg kommt, kommt der berg zum propheten. der sonntagnachmittag in einem nicaraguanischen college- bus: ein wanderprediger mit der bibel in der hand. abgefahren!








das hostel war so etwas wie ein insider- tipp, zu dem ich von meinen begleiterinnen gefuehrt wurde. eine oase aus bambushuetten am fusse des vulkanes concepción. ringsum nichts ausser dem panoramablick auf den roechelnden nachbarn maderas.
eigentlich dachte ich, dass ich den ganzen tag zeit haben wuerde die insel zu erkunden, aber einmal mehr machten mir die transportwege einen strich durch die rechnung. ich muss einsehen, dass ich von der insel nichts ausser der unterkunft sehen werde, denn morgen frueh muss ich schon wieder zurueck nach granada, da die abfahrt nach guatemala noch am selben abend ist. das ist genau die tuecke, wenn man ein ticket im voraus kauft. wenigstens troesten mich dieser ausblick, die unzaehligen gluehwuermchen (vielleicht die groesste lichtquelle auf der insel wenn die nacht einbricht. so was wie "strassenlampen" hab ich nicht bemerkt) und schmetterlinge von denen der "garten" hier ueberfuellt ist, darueber hinweg.
mit den wenigen eindruecken, die ich von der insel mitnehme, kann ich sagen, dass ich nicht falsch in meinen vorstellungen ueber das "klangbild ometepe" lag: "eine gute fee aus einem maerchen". waere ich noch laenger geblieben, haette sich dieses bild sicherlich noch bewahrheitet.

am naechsten morgen halte ich ein hollaendisches paar in ihrem mietwagen an und fahre mit ihnen zurueck zum hafen. lieber so, als darauf zu spekulieren, ob hier in absehbarer zeit ein bus vorbei schleicht und mich mit nimmt.

ometepe- eine insel mit zwei vulkanen. blick von der hosteleinfahrt auf den maderas.

zurueck in granada schlendere ich meine letzten runden auf dem pflasterstein und verbringe noch ein paar stunden im selben hostel aus dem ich gestern ausgecheckt hatte. meine gedanken kreisen um die mir bevorstehende taxifahrt bis nach managua, von wo aus ich den bus nach guatemala nehmen muss. um zwei uhr in der frueh holt mich der chauffeur wie verabredet ab. bevor ich einsteige, notiert sich die receptionistin- auf meinen wusch hin- sein autokennzeichen (fuer alle faelle..). in anbetracht der situation, auf die ich mich mitten in der nacht eingelassen hatte wurde mir zwischendurch schon ziemlich mulmig zu mute. sich von einem wildfremden menschen um zwei uhr in der frueh in einem mir unbekannten land chauffieren zu lassen- rueckblickend wuerde ich mir das wahrscheinlich nicht noch ein mal zumuten und zutrauen wollen. rueckblickend finde ich mein verhalten sehr naiv und leichtsinnig. aber irgendwie hatte es die situation damals so gewollt und ich hatte nicht lange mit mir gegruebelt. egal wie skeptisch ich war, ob man einem menschen vertrauen schenken kann oder nicht sieht man oft schnell in den augen des gegenuebers und man hoert es in seiner stimme. ich jedenfalls liess mich auf das angebot der dame, die mir das car- ticket verkauft hatte, ein und bedauerte es nicht.
ich denke, dass vieles von dem, was uns widerfaehrt, wir selbst zu verantworten haben, dass man durch ueberlegtes, besonnenes handeln viele negative erfahrungen sich ersparen kann. der rest ist schicksal. und das hat es gut gemeint mit mir.

ich erinnere mich daran, wie ich, als ich noch in costa rica im bus sass, mir nicaragua- gleich wie ometepe- allein durch den klang seines namens auszumalen versucht hatte. ich hatte vor mir das bild eines aufsaessigen rebellen, eines barbaren, "nicaragua" klang wie eine kriegserklaerung, eine aufforderung zum kampf.
nichts von alle dem passt auf das, was ich von diesem land gesehen habe. seine landschaften, sein granada, seine menschen und die ratternden college- busse waren mir der seit wochen dringend gebrauchte energiespender. ein geschenk, als ich an nichts mehr hoffen wollte. indiesem sinne: adiós, amores míos!

leichten herzens und mit tiefster zufriedenheit sinne ich mich auf meine entscheidung honduras und el salvador ausgelassen zu haben. es ist sehr frueher morgen, als der bus in richtung westen abfaehrt. ich bin froh dieses mal keinen formalitaeten an den grenzen nachgehen zu muessen. ein unterfangen, auf das ich heute gerne verzichte, zumal ich panisch um meine sachen besorgt bin. seit ich in montezuma so schoen ausgepluendert wurde, misstraue ich den freundlichsten menschen, die sich neben mir im gleichen bus, hostel oder café befinden. es ist ein irrer gedanke und umstand immer so skeptisch sein zu muessen und jede situation argwoehnisch im auge behalten zu muessen! aber ich hatte damals meine lektion lernen muessen und erschrecke jetzt beim gedanken nochmals jemandem so gutglaeubig die gelegenheit zu bieten, mich meines hab und gut's zu entledigen.

wir kommen am nachmittag in guatemala city an und ich entscheide mich, nachdem ich keinen platz mehr im "fernstrecken- taxi", das bis nach antigua faehrt, finde, an den busbahnhof ins zentrum der stadt gebracht zu werden. diese variante kostet mich 25 dollar weniger, dafuer aber gut drei stunden fahrt mehr. ist ja halb so schlimm, denke mich mir, es ist ja noch hell. also chauffiert mich mein taxista fuer sechs dollar fast eine halbe stunde lang durch den chaos und den smog von guatemala city und wirft mich beim anblick des ersten mit "antigua" angeschriebenen busses aus seinem wagen, wirft dem bus-chauffeur- gehilfen meinen rucksack zu und verabschiedet mich in den fahrenden bus. nein, weder in nicaragua noch hier braucht man so was wie parkplaetze fuer den warenumschlag! alles wird im rollen aus- und umgeladen!

mir fallen viele indios- frauen wie maenner- auf, die im business look mit handy und handtasche, den bus besteigen und die nicht anders gekleidet sind als es zu hause in europa ueblich ist. so ist sie also, die groesste stadt zentralamerikas!
kaum hatten wir den stadtrand verlassen, brach auch schon die dunkelheit ein und ich wurde schon wieder der kurzen sonnenstunden dieses kontinententeils belehrt.
warum ich mich entschieden hatte nach antigua zu gehen, weiss ich mittlerweile auch nicht mehr. irgendwie hatte ich es die ganze zeit aber im kopf. ich hoerte ein mal mit, als jemand daueber redete und erwaehnte, dass es eine herzige kolonialstadt sei. und auf meine vorliebe fuer kolonialgeschichtliche staedte muss ich hier- glaube ich- nicht mehr eingehen.

es ist finster als ich in antigua ankomme und es riecht nach platzregen, der sich vielleicht erst vor zehn minuten ueber diese haeuser ergossen hat. mir spielt sich die ankunft in granada vor den augen ab. so viele parallelen! ein déjà-vu. ausser, dass ich jetzt keinen chauffeur habe, der gewillt ist eine extrarunde ins zentrum zu drehen. ich erkundige mich danach und laufe ueber den feuchten pflasterstein eine einzige nie enden wollende strasse herunter.
es ist eine friedliche, aber angespannte stimmung in diesen totenstillen seitengaesschen, den zierlichen haeusern ueber welchen die schwarzen wolken haengen und an denen laternen aus eisenguss leuchten und im echo aus hufengeklapper, das aus weiter ferne zu hoeren ist..
kurz gesagt: wo ist der saloon, aus welchen der cowboy, der mir gleich vor die nase springt und mir mit einem- nein, zwei- einen in der linken und einen in der rechten- geladenen revolvern droht seine stadt zu verlassen? ich komme mir vor wie ein statist in einer westernfilm- kulisse.

einen steinwurf von antigua's touristengetummel entfernt.














die gesiterstimmung entlaedt sich zu meiner erleichterung gleich beim anblick des ersten hostels. die haengematten am empfang im patio und das schummrige licht versprechen mir genau das, was ich jetzt brauche: erholung von der langen anreise, die ja eigentlich, wenn ich richtig bedenke, seit gestern morgen andauert, als ich in ometepe aufwachte.
"leider komplett ausgebucht" heisst es noch bevor ich die frage angefangen hatte zu stellen. bin ich denn so arg von den 40 stunden schlaflosigkeit gezeichnet? offenbar schon..! man verweist mich freundlich auf die anderen unterkünfte in der gleichen strasse. mit zunehmenden schritten nimmt auch die lebhaftigkeit des ganzen staedchens zu. na ja, diese "lebhaftigkeit", um sie genauer zu beschreiben, liegt eigentlich nur in zwei punkten, und zwar bei den schwach beleuchteten strassen und bei einigen hier und dort offen stehenden tueren, vor denen kinder ball spielen. das reicht aber momentan voellig aus um meinen erschoepften zustand zu erheitern. eine voruebergehende unterkunft ist dann auch nach 30 minuten gefunden und in beschlag genommen. diese ist aber etwas, nun, nicht schaebig, aber im vergleich zum ersten hostel schon sehr herunter gekommen. mein mehrbettzimmer ist somit auch eher ein bunker als ein gaestezimmer.
fuer solche faelle gibt es aber momente, in denen man der eigenen muedigkeit nicht genug dankbar sein kann: denn noch ehe man sich mit seiner unzufriedenheit in anbetracht der klaustrophobischen enge anfaengt auseinander zu setzen, klappen einem bei einem solchen anblick die mueden augenlider von alleine noch schneller zu, als sie es ohnehin schon taeten. buenas noches also!

antigua. herzig, aber kein vergleich zu granada.

wie dem auch sei, die darauf folgenden tage logierte ich in einem netteren hostel, wo's zwar nicht viel bequemer aber viel lebendiger zu und her ging. zeitweise so lebendig aber, dass es fast beklemmend wurde. es schien, als wollten alle backpacker in dieses black cat und nirgends sonst. unmengen von amerikanern, englaendern und franzosen.
wie ein abdruck des black cat- geschehens spielte sich mir das bild auf antigua's strassen ab: die stadt ist voll, um nicht zu sagen ueberfuellt (im vergleich zu granada eine touristenhochburg) und in seinem urspruenglichen charme durch mc donald's und burger king verunstaltet. und eins, das ich seit costa rica gelernt habe, ist: finger weg von orten, wo mc's aus dem boden wuchern! nein, das kann ich kategorisch ausschliessen, in antigua werde ich mich nie verlieben koennen! ich oder die cheese burger! antigua hat sich gegen nostalgische kolonial- romantik, aber fuer frittieroel entschieden! falsche wahl, meine ich!
abgesehen von diesen oberflaechlichen nebenwirkungen ist es trotzdem nett, beschaulich, gepflegt. es ist ein gemuetliches staedtchen, das aber nicht mit cuenca, cartagena oder eben granada mithalten kann. es hat keinen eigenen speziellen reiz, dafuer aber cafeterias, eisdielen und souvenier- shops an jeder ecke. die beduerfnisse der familienurlauber und der sprachschueler werden dadurch zwar gestillt, aber zu einem fragwuerdigen preis: mir sind noch nirgends (auch nicht in bolivien oder peru!) so viele strassenkinder aufgefallen, die, den verlockungen eines schnellen quetzals erlegen, sich fuer ihre familien ihren teil am tourismus mitverdienen wollen. es sind schon ambivalaente eindruecke, eben deshalb, weil antigua wirtschaftlich zu florieren scheint.

arbeiten um zu ueberleben. ein trauriger nebeneffekt antigua's wirtschaftsbluete.














trotz allem blieb ich fuenf tage lang in dieser stadt.
ich ziehe weiter zum lago atitlán und bin sehr gespannt, was mich dort tatsaechlich erwartet- ob es wirklich der ultimative "ort der ruhe und kraft" ist. ich bin auf der suche weder nach dem einen noch nach dem andren, was aber nicht heissen soll, dass es sich auch so nicht lohnen koennte.
als ich zusammen mit ein paar anderen backpackern nach etwa zwei stunden das ufer dieses see's erreiche, werden wir von drei typen umzingelt, die uns zum boot fuehren wollen, das uns auf die andere seite nach san pedro la laguna bringen soll. diesen typen gegenueber stand ein anderer herr, der sich den agressivsten plausch daraus machte, die eifrigen "geschaeftsleute" als luegner, betrueger und verbrecher auszuschimpfen um uns dann vor ihnen eindringlich zu warnen.
es stellte sich lediglich heraus, dass die bootsbetreiber den touristen ein vielfaches des gesetzten tarifes abverlangen als sie es von den einheimischen tun. und nebst dem, dass sie alle dreist handelten, waren sie in ihrer unverschaemtheit auch mindestens so gut organisiert. da half kein nachfragen oder diskutieren. stoisch unverhandelbar. und weil's keine andere fortbewegungsmoeglichkeit gab, willigte jeder frueher oder spaeter muerrisch ein. es ist logisch, dass es in solchen situationen nicht um die paar quetzales oder dollar geht, um die man betrogen wird, sondern allein ums prinzip! natuerlich muessen sich die menschen hier auch ihren lebensunterhalt irgenwie verdienen. aber als fremder moechte man nicht so offen damit konfrontiert werden, weil man sich vielleicht zu fest am das bild der gastfreundlichen, harmlosen und aufopfernden indios orientiert. insofern faellt das kartenhaus, das man sich ueber dieses volk gebastelt hat, sofort in sich zusammen. zu guter letzt ueberkommt einen noch der gram und die enttaeuschung ueber diese naive einbildung, so dass man am liebsten wie jener alte herr ausrufen wuerde...

das ausrufen ueberliessen wir der vernunft. was denn sonst!?
das kaff san pedro la laguna versprueht alles andere als das versprochene seelenheil, das man laut reisefuehrer an diesem see atitlán finden wuerde. die mehrstoeckigen rohbauten sehen an vielen ecken wie schroffe provisorien aus und die plastikschilder an den haeusern geben dem ganzen das perfekte profil eines ortes ab, an dem man nie haette landen sollen und aus dem man so schnell wie moeglich wieder zu verschwinden wuenscht.
aber auch dieses mal bin ich die letzte, die aufgibt an besseres zu glauben. ich ueberrede mich doch noch eine nacht hier zu bleiben und mich umzusehen.
kaum hatte ich das beschlossen, schoss es aus den wolken, es traf die sintflut ein. die strassen verwandelten sich in stroemende baeche, der himmel verkuendete den weltuntergang. mir san pedro noch laenger schoen reden zu wollen, fehlte mir jetzt endgueltig jegliche selbstironie und glaube!
ich nehme mir ein tuk- tuk- taxi zum hostel und verschlafe den restlichen tag.
gegen mitternacht werde ich von meiner mitgefaehrtin an eine karneval- party eingeladen. hmm, nein, ich schlafe lieber meinen lago atitlán- schock aus!

pfeifendes und zischendes feuerwerk, ein techno- getose und ein eingenebelt farbiger himmel wiegen mich wieder unsanft in die ernuechternde realitaet. ich verkriech mich noch tiefer unter die decke. die sintflut reisst nicht ab, der weltuntergang droehnt in neuem beat durch die gassen..

eigentlich habe ich keine lust noch laenger an diesem see zu bleiben. es ist einfach nur schrecklich!
in der ueberzeugung, dass kein ort auf dieser welt san pedro toppen kann, steige ich ins boot nach san marcos la laguna und zahle meinen obligatorischen dreifachen preis fuer das glueck
aus san pedro ausgebrochen zu haben und auf der flucht sein zu duerfen.




so sieht "laden und baeckerei" in san marcos aus.. erueberigt doch alle worte, die ich ueber diesen ort weiter unten noch verlieren werde..?!

san marcos. eine einzige strasse durchzieht dieses fuerchterliche kaff. und viele baeume. naturbelassen, ja! von gott vergessen- definitiv! ein paar haeuser noch. und langhaarige, in leinenkleidchen gewickelte, nach dem sinn des lebens saeufzende, europaeer und amerikaner.
wie gesagt, dieses loch ist aufgewertet durch eine echte befahrbare strasse. alles andere, auf dem man sich hier bewegt, sind eingestampfte schlammpfade. vielleicht durch meditative schlammspaziergaenge der nach etwas hoeherem strebenden yoga- juenglinge fuer die in san marcos mehr einrichtungen als einwohner registriert sind. es ist ein ort, der einen erstklassigen ruf in bezug auf selbsterkenntniss und co. hat. sagt der reisefuehrer. meine innere stimme meint dazu: wann geht das naechste boot nach irgendwo? auch ein nirgendwo waere mir jetzt lieber als das hier! ach, wie friedlich hatte sich doch meine 20- minuetige flucht vorhin auf dem wasser des atitlán angefuehlt..! wenn es sein muss, so will ich fuer den rest der reise auf einer solchen flucht sein, nur um nicht in diesen schlammgefielden versickern zu muessen!

san marcos- vier tage spaeter. regnet es immer noch oder schon wieder..?!
auf dem rueckweg zu den zwei holzpfeilern, die sie hier in den boden des sees eingestochen haben und selbstbewusst "pier" nennen, begegnete ich einem backpacker, der mir nicht glauben wollte, dass ich diesen ort so schrecklich finde, und mir sogleich beweisen wollte, dass der schlamm hier viel angenehmer als die regenbaeche gegenueber sei. irgendwie hatte er recht. ich aber auch! denn san pedro konnte in seiner sinnlosigkeit wirklich nicht getoppt werden (ueberhaupt: das einzige, was an diesen zwei orten auf seelenheil und ichfindung deutete, ging nicht ueber die drei buchstaben s-a-n hinaus..)! insofern ist es hier schlimm, aber nicht so arg wie dort drueben! was fuer ein trost.. ich waehlte zwischen pest und cholera (und nahm beide..) ..!
ich fand auf der stelle ein umwerfendes hostel, das man ohne weiteres als hotel bezeichnen koennte, aus dem ich aber rausvergessen wurde, weil die reception es nach der zweiten uebernachtung versaeumt hatte, mich weiterhin als gast zu beruecksichtigen. ich kam zurueck vom markt in quetzaltenango, fand meinen rucksack am eingang liegen und mein zimmer schon durch neuankoemmlinge in beschlag genommen. die bequemlichkeit und sauberkeit einer unterkunft waren somit auf einen schlag geschichte. 
die letzten zwei naechte verbrachte ich in schlumpfhausen. eine hostelanlage aus munzigen lehmhuetten mit strohdaechern und blauen fensterlaeden, einer feuerstelle und ein paar waescheleinen neben einer abstellkammer, die die anderen schlumpfe als "kueche" bezeichneten. nein, kein vergleich zum anderen hostel, aus dem ich ausgecheckt wurde! aber wenigstens wurde mir dort die terrasse nicht verweigert. auf dieser verbrachte ich doesend die meiste zeit mit den leuten, die ich gleich nach meiner "ankunft" kennen lernte. sie waren auch der einzige grund, weshalb ich ueberhaupt hier geblieben war. es tat einfach nur gut, wieder mal eine kleine reisegemeinde von sehr netten menschen um sich zu haben. das ueberschattete letzlich auch die ganze oede dieses kaff's.

weihrauch oder nur staub? religioese rituale vor einer kirche in quetzaltenango.














ich komme nochmals zurueck auf den oben erwaehnten markt: ich liebe diese unueberschaubahren, stickigen und verwirrenden plaetze, die meine sorglosen "ich- tue- heute- wieder- mal- nichts"- backpacker- tage im nu aufwirbeln. so wie zuletzt in tarabuco in bolivien. ich hatte urspruenglich vor, den markt in xela aufzusuchen, weil es hiess, dass dieser einer der besten und buntesten im ganzen land sei. da es aber komischerweise keine einzige verbindung nach diesem xela gab, entschied ich mich fuer eben denjenigen von quetzaltenango (bitte googlen: der quetzal ist ein wunderschoener und in zentralamerika weit verbreiteter und verehrter vogel, mit einem hohen kulturellen und religioesen stellenwert). ich hatte mir vom markt einiges erhofft, insbesondere volle plastiksaecke, wenn ich wieder in den bus zurueck kehren wuerde.


beeindruckende und eindrucksvolle kultur und gesichter: geschaeftige indias am markt von quetzaltenango.

gab's dort nichts, was ich nicht schon in antigua (und in panama- ich habe davon berichtet, dass die sich dort diese ware importieren lassen und es dann als einheimisches handwerk verkaufen) gesehen hatte. alles dasselbe, nur in groesseren mengen. ausserdem gefallen mir die von hand genaehten und gestickten arbeiten der guatemalteken nicht besonders. verglichen mit denen aus bolivien sehen sie ziemlich simpel und grob aus. aber das ist geschmackssache. und uber die laesste es sich in diesem falle streiten.


guckst du? natuerlich! das tv- geraet darf auch hier nicht fehlen.














meine reise setze ich mit einem englischen paar in richtung norden fort. wir visieren lanquin an. ein ort, der wahrscheinlich fuer eine einzige attraktion bekannt ist: ein hostel! ein tropischer garten, worin eine siedlung aus bambushuetten eingebettet ist. die anlage ist wirklich wunderschoen gebaut- man koennte sich hier tagelang in den haengematten von was auch immer erholen. sofern es nicht staendig regnen wuerde und man (deshalb) die ganzen abende und naechte auf strom und licht verzichten muesste.
in der naehe von lanquin liegt semuc champey, ein ausflugsziel mit tuerkisblauen, terrassen- artigen naturbaedern.
dort wanderten wir zuerst mit einer kerze in der hand durch eine teils seichte, teils beschwimmbare hoehle, in der es so was wie eine kleine "klippe" gab, von der man abspringen musste, wenn man in dieser einbahn, in der sich die menschenschlange ploetzlich befand, nicht auffallen wollte. ich hasse es, aus einer hoehe ins wasser springen zu muessen. das letzte mal, als ich mich zu so was ueberwinden konnte, war ich noch ein kind. und heute stand ich in dieser einbahn- falle und hatte keine wahl. wenigstens schlug ich in meinem ausnahmezustand nirgends am engen hoehlenteich an- die meisten prallten beim sprung mit dem kopf oder den armen am gestein an.. sehr clever ausgedacht von den tour guides..
nach der hoehlenwanderung kam das "river tubing", wobei man in einem grossen gummiring einen fluss herunter (ge)wirbelt (wird). und zuletzt die huebschen terrassen- baeder.
zusammengefasst war semuc champey ein schoener zwischenstopp, aber nichts wirklich spektakulaeres. schade darum!

wir gehen in die noerdliche haelfte des landes ueber und enden in flores ("Blumen"), einem kleinen staedchen auf einer insel im petén-itzá see. (flores nimmt die ganze flaeche dieser san andrés insel ein; darum: wofuer zwei bezeichnungen fuer ein und dasselbe stueck boden..?) flores riecht leider ueberhaupt nicht nach flores, es blueht nicht wie flores und es sieht auch nicht aus wie flores. eine namens- list, deren interpretationsfaelschung aber in keinem grad mit derjenigen des atitlán sees zu setzten ist. flores ist eher unkraut als blume, charakterlos, aber vergleichsweise voellig ertraeglich!
dieses staedtchen bleibt sowieso nichts weiter als ein zwischenhalt vor dem eigentlichen ziel, das noch weiter im norden, inmitten des wilden regenwaldes liegt: tikal!
tikal ist eine stadt von historisch grosser bedeutung hinsichtlich der ganzen maya kultur, die ihre ersten spuren schon vor drei tausend jahren hier zu hinterlassen anfing. heute ist sie eine einzige ruinenstaette. und sehr imposant! das jedenfalls verheissen uns die informationsquellen..
unser plan sieht also vor, uns am eingang dieses naturparkes einzuquartieren um am naechsten morgen sehr frueh, um dem ueblichen besucherstrom auszuweichen, in die staette zu gehen. klingt langweilig? ist es!
deshalb schielten wir den ganzen tag wie spione auf den auskunftsstand und witterten nach neusten insiderinformationen, die uns auf die freudige botschaft hoffen liessen, dass sich die parkwaechter hier- entgegengesetzt der lonely planet- information- immer noch gerne schmieren lassen (scheinbar arteten solche nachtaktionen dermassen aus, dass die eintrittverkaeufe merklich zurueckgingen und die stadtverwaltung sich gezwungen sah den beamten strikt anzuordnen sich nicht mehr schmieren lassen zu duerfen). am spaeten abend hatten wir dann endlich unsere "informanten" gefunden, die uns zu den aufsehern wiesen, die in der kommenden nacht wache schieben wuerden. diese kamen, sichtlich bemueht nicht aufzufallen und deshalb erst recht extrem auffaellig, auf uns zu und verabredeten den ort und die zeit.
bei nahezu vollem mondschein versuchten wir vergebens wenigstens ein paar minuten lang einzudoesen um fuer das kommende abenteuer mental vorbereitet zu sein. ich persoenlich hatte aber einfach zu viel schiss, schutzlos in dieser offenen wildnis, auf dieser wiese, in der wir die haengematten spannten, einzupennen! man wird einfach nur verrueckt, wenn man anfaengt sich jedes noch so harmlose geraeusch als unmittelbahre bedrohung hochzuphantasieren.

es muss gegen zwei uhr morgens gewesen sein, als die parkwaechter vor uns standen und uns aufforderten ihnen hinterher zu laufen. keine taschenlampen, kein geplapper, atmung war erlaubt, wobei sie einem jedes mal im hals stecken blieb, wenn man sich die gewehre in den haenden unserer wegweiser anschaute und an die krokodile dachte, von denen sie gerade erzaehlt hatten.
wir schleichen vorsichtig durch den park, begleitet von halluzinierenden und verrueckten gedanken an menschenfressende krokos und indianer und von der tatsache, dass unsere zwei begleiter nicht die einzigen sind, die in dieser nacht patrouillieren. was geschieht also, wenn wir drei schmierer samt den zwei geschmierten von anderen (ungeschmierten, aber nicht unbewaffneten ) erwischt werden? schiessen sie dann auf uns und verkochen uns als europaeisches weisshaut-spezialopfer an die goetter?
nach circa 30 minuten gelangten wir zu einem der groessten tempel. die waechter fuehrten uns sogar noch ein wenig um die ruinen und versuchten uns eine orientierung zu geben, denn von da an waren wir auf uns alleine gelassen. bevor sie uns zu kasse baten, mahnten sie uns nicht zu neugierig auf dem einen offiziell abgesperrten tempel zu trampeln, von da oben sei frueher der eine oder andere tourist nicht mehr lebendig herunter gekommen. will heissen: abgerutscht und abgestuerzt. so schnell kann's gehen..! danke, uns geht's jetzt noch viel besser! (hmm, wie war das nochmal mit der mentalen vorbereitung..?)
wir machen noch ein, zwei runden um dieses ruinen- zentrum, wagen es aber nicht, den ort weitlaeufiger zu erforschen. denn- sollte ein schritt mal in die falsche richtung gehen- wer haette da schon lust (und die vernunft!) um drei uhr morgens, verloren in einem dicken, schwarzen dschungel, seinen verstand und die sinne wieder zusammensammeln zu muessen?! deshalb suchten wir uns schnell eine tempelplattform, auf der lotty und cassian ihre schlafsaecke ausbreiteten (ich hatte gar keinen dabei- dachte, lange hosen und pulli wuedern ausreichen, denn sowohl die tage als auch die naechte waren sehr warm hier). kaum hatten wir uns gebettet, fiel auch schon eine beaengstigende kaelte auf uns ein. man sah sie in den nebelschwaden, die im weissen mondlicht an unseren augen vorbeizogen und man fuehlte sie am ganzen koerper. unmoeglich einzuschlafen, wenn die knochen zittern und man in der dramatischen stille immer mehr geraeusche zu hoeren glaubt. die ganze situation wurde je laenger, je peinigender. hatte man endlich die einbildung mit einem auge schon eingeschlafen zu sein, sah man sich im anderen augenblick erstarrt in einem zustand des schocks, der angst, bewegungsunfaehig, beinahe paranoid, nur die augen kullernd, in der furcht, durch eine bewegung oder einen laut sich die boesen geister zu rufen. man ist der nacht und dem schleichenden verfolgungswahn hilflos ausgesetzt!
irgendwann konnte ich, gott sei dank!, tatsaechlich einnicken. ob es mehr als fuenf minuten waren, bezweifle ich aber. auf ein mal wurde ich von gebruell und geschrei geweckt, das sich in dieser vor uns liegenden endlosen weite in den baeumen abspielte. wo ist das mondlicht?, man sieht mittlerweile nichts mehr, hoert aber umso mehr. das muss wohl das beruehmte "der dschungel erwacht zum leben"- szenario gegen fuenf uhr in der frueh sein! doch eins ist faul an dieser vermutung: die sonne fehlt. nichts erwacht, wenn die sonne schlaeft! ausser irregewordene wie ich! es bleibt stockdunkel, in meinen ohren toben immer mehr mysterioese und bizarre echos, mir wird noch kaelter. in der hoffnung auf eine erloesung strecke ich meinen steifen hals zu meinen freunden und horche an ihnen. nein, es ist nicht ihr schnarchen. leider nicht. sie schlafen friedlich wie babies. die undefinierbaren laute kriechen wie ein gespinst zurueck in meine ohren, ich sinke auf den kalten stein.

schwindelerregender als der aufstieg ist nur der abstieg.















als schliesslich meine begleiter erwachten, zeichnete sich auch schon die sonne zoegerlich am horizont ab. wir eilten, um einen viel hoeheren tempel zu besteigen, von dem aus dieser tagesanbruch noch spektakulaerer sein wuerde.
der adrenalinspiegel stieg wieder an, denn das stufengeruest war extrem steil, wackelig und aus holz gebastelt. hierauf steigen, wenn sich noch dutzende andere touris draengeln? nie und nimmer! das ist wie klettern ohne sicherungsseil!
entlohnt wurden wir leider nicht. der nebel verdickte sich zu fest in dem geaest vor der tempelspitze- keine chance, die sonne zu erhaschen.
als wir wieder unten waren, war es bereits hell. man musste einzig aufpassen, nicht erwischt zu werden, bevor die tikal- tueren offiziell aufgingen.
betaeubt von der schlaflosigkeit der letzten nacht schweifen wir wie zombies noch eine runde um die ruinen. und als die ersten besucher eintreffen sind wir die ersten, die von der anderen seite die tuerschwelle passieren.
diese nachtaktion war fuer mich sicherlich das einmaligste von ganz zentralamerika und ich wuerde es absolut jedem empfehlen- vorausgesetzt, man hat einen dicken schlafsack und starke nerven dabei!


es ist wieder zeit, bilanz zu ziehen. ich mach's diesmal kurz und unverbluehmt: nein, guatemala ist nicht das, was man ein land voller ueberraschungen und ueberwaeltigender schoenheit nennt! aber definitiv interessanter als panama oder costa rica! entschuldigung an dieser stelle, dass ich immerzu an diesen zwei laendern rumhaken muss. aber jeder muss sein trauma irgendwie verarbeiten..

ein raetsel konnte ich aber noch- obwohl jetzt zusammenhanglos- bevor ich dieses land fuer immer verlasse, loesen: ich habe mittlerweile herausgefunden, dass das "inexistente" dorf xela, dessen markt ich besuchen wollte, doch kein hirngespinst war, denn: xela ist quetzaltenango und quetzaltenango ist xela! alles klar? und xela ist kein dorf, sondern die zweitgroesste stadt guatemala's.

mein bus nach belize kommt schon um die ecke. in diesem sinne: hasta pronto und see you there!